PostHeaderIcon Ungleichgewicht der sexuellen Appetenz

Ein Ungleichgewicht der sexuellen Appetenz in einer Beziehung führt früher oder später fast immer zu elementaren Beziehungsproblemen. Zu Beginn der Beziehung ist das Problem oft noch garnicht ersichtlich, da die Schmetterlinge im Bauch sowieso keine Ruhe geben und meistens ohnehin viel Sex praktiziert wird, schließlich ist man frisch verliebt. Nach ein paar Wochen oder Monaten, wenn solangsam Alltag in die Beziehung einkehrt, sieht die Sache aber oft schon wieder anders aus. Ist die rosa Brille erst einmal abgesetzt, erstrahlt der Partner plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Liegt tatsächlich ein Ungleichgewicht der sexuellen Appetenz vor, so zeigt sich dies oft schleichend. Wenn zu Beginn der Beziehung noch mehrmals täglich Sex auf dem Programm stand, so nimmt dies mit der Zeit sukzessive ab, bis der Partner mit dem größeren Verlangen irgendwann bemerkt, dass ihm plötzlich etwas fehlt. Nun beginnt oft die quälende Phase der endlosen Gespräche, schließlich ist Kommunikation etwas sehr elementares in einer Beziehung. Im Besten Fall findet das Paar nach durchschnittlichen 2.351.337 Gesprächssitzungen einen Kompromiss oder gar eine Lösung, leider sieht die Realität meist anders aus.

Kommunikation als Schlüssel zu einer glücklichen und erfüllten Beziehung? In der Theorie kann man über alles reden und jedes Problem lösen. Die Praxis in vielen Beziehungen sieht aber oft ganz anders aus, da die involvierten Partner nicht selten über signifikante Defizite im Bereich der Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung verfügen. So wird aus dem Versuch, ein klärendes und helfendes Gespräch zu führen, oft eine Teufelskreis-Spirale der Verletzungen und Missverständnisse.

Häufig sind Probleme im Umgang mit Kritik (= sofortige Verteidigung/Abwehrhaltung) sowie Probleme bei der Formulierung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse anzutreffen. Besonders schwierig wird es, wenn das eigene Verhalten wenig reflektiert wird oder ein Partner ständig mit “Aber-Du!”-Vergleichen auf Kritik eingeht.  Solche Kommunikationsmuster machen sinnvolle und bewegende Gespräche nicht selten unmöglich, hier hilft letztlich nur der Besuch einer Paartherapie oder Trennung.

Unabhängig davon, ob die Möglichkeit klärender und hilfreicher Gespräche besteht, ist ein Ungleichgewicht der sexuellen Appetenz in einer Beziehung immer ein heikles Thema. Schließlich gehört für die meisten Menschen auf unserem Planeten ein erfülltes Sex-Leben zu einer Beziehung einfach dazu. Einige vertreten sogar die Meinung, dass eine Beziehung letztlich rein auf sexueller Anziehungskraft basiert.

Wie geht man also damit um, wenn der Partner einfach weniger Verlangen hat als man selbst oder umgekehrt? Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Klar, einige abgedroschene Zeitgenossen werden sofort die Miteinanderreden-Keule schwingen, doch auch dieses Instrument ist kein Allheilmittel. Letztlich muss jedes Paar individuell klären, ob eine Lösung oder ein Kompromiss realistisch und sinnvoll erscheint. Manchmal muss der Realität aber auch einfach in das Auge gesehen werden: es gibt Paar-Konstellationen, die einfach nicht funktionieren.

Eine nymphoman veranlagte Frau, die 2/3 des Tages sexuelle Gedanken in ihrem Kopf herumträgt, wird mit einem Kerl, der nur einmal im Monat bei Dunkelheit Kuschelsex betreiben möchte,  mit erschlagend großer Wahrscheinlichkeit keine glückliche Beziehung führen können. Gegensätze ziehen sich zwar oft an, doch eine – für beide Partner – glückliche und zufriedene Beziehung wird umso unwahrscheinlicher, je weniger die jeweiligen elementaren Bedürfnisse gegenseitig befriedigt werden.

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